Dieser Leitfaden unterstützt dich bei der Planung, Durchführung und Dokumentation deiner Praxisarbeit (PA) oder Bachelorarbeit (BA). Er enthält wesentliche formale Anforderungen, erläutert die wissenschaftlichen Methoden und gibt dir Hinweise zur Gliederung und Arbeitsweise.
Die folgenden (formalen) Vorgaben orientieren sich an der Prüfungsordnung der DHBW bzw. dem, was in den Modulen zum Wissenschaftlichen Arbeiten gezeigt wird. Spezielle formelle Anforderungen gibt es von meiner Seite nicht.
Eine kleine Liste an Büchern zu IT-related Themen, die ausgeliehen werden können, befindet sich hier: https://library.neunziglabs.de/
Kontakt
- dhbw@mathis-neunzig.de
- Telefonnummer, die in der Vorlesung rausgegeben wird
🎯 Ziel der Arbeiten
- Praxisarbeiten (PA) dokumentieren eine praxisnahe Projektaufgabe aus dem Unternehmen und verbinden diese mit wissenschaftlicher Reflexion.
- Bachelorarbeiten (BA) weisen nach, dass du in der Lage bist, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus deinem Studienbereich selbstständig und nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.
🏗 Formale Anforderungen
Die formalen Anforderungen entsprechen den Regeln der DHBW.
| Merkmal | Praxisarbeit (PA) | Bachelorarbeit (BA) |
|---|---|---|
| Zeitraum | PA I, II oder III | 5. oder 6. Studiensemester |
| Bearbeitungszeit | 12 Wochen | 12 Wochen |
| Umfang | ca. 20–30 Seiten (Textteil) | ca. 40–60 Seiten (Textteil) |
| Sprache | Deutsch oder Englisch | Deutsch oder Englisch |
| Schriftart/-größe | z. B. Arial oder Times New Roman, ca. 11pt | z. B. Arial oder Times New Roman, ca. 11pt |
| Zeilenabstand | ca. 1,5-zeilig | ca. 1,5-zeilig |
| Ränder | ca. Links: 3 cm, Rechts: 2,5 cm | ca. Links: 3 cm, Rechts: 2,5 cm |
| Abgabe an der DHBW | Studiengangsleitung fragen | Studiengangsleitung fragen |
| Abgabe bei mir | Digital als .pdf per Mail | Über Moodle |
| Eigenständigkeitserklärung | Pflicht | Pflicht |
| Zitierstil | Frei wählbar, aber konsequent | Frei wählbar, aber konsequent |
🧠 Wissenschaftliches Arbeiten
Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet:
- Zielgerichtetes, methodisch fundiertes Vorgehen
- Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit
- Objektivität und Transparenz
Alle Aussagen müssen entweder begründet oder belegt sein.
In einer wissenschaftlichen Arbeit wird eine Forschungsfrage beantwortet. Diese muss zu Beginn erklärt und am Ende beantwortet werden. Die gesamte Arbeit muss diesem Ziel folgen.
💡 Praxis ≠ Praxisbericht
Auch wenn die Arbeit im Rahmen einer Praxisphase entsteht, steht nicht die Beschreibung deiner Tätigkeiten im Vordergrund, sondern die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer konkreten Fragestellung.
Ein „Praxisteil“ meint nicht die Darstellung deiner Arbeitstage, sondern die Anwendung und Überprüfung der Theorie im realen Kontext – z. B. durch Analyse, Vergleich, Evaluation oder Entwicklung anhand wissenschaftlicher Methoden.
Wer nur beschreibt, was im Unternehmen gemacht wurde, schreibt einen Tätigkeitsbericht, keine wissenschaftliche Arbeit.
- Beobachtung / Ausgangssituation
- Forschungsfrage formulieren
- Hypothese aufstellen
- Methode festlegen
- Daten erheben / analysieren
- Ergebnisse interpretieren
- Fazit ziehen / Beitrag einordnen
- Wie kann [Unternehmen X] den Retourenprozess durch [digitale Methode Y] optimieren?
- Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Einführung von [Technologie Z] im Mittelstand?
- Wie wirksam sind Nachhaltigkeitsmaßnahmen in der Logistikbranche?
- Performanceanalysen
- Experimente
- Umfragen / Fragebögen
- Interviews / Beobachtungen
- KANO-Modell
- ...
- Literaturvergleich
- SWOT-Analyse
- Nutzwertanalyse
- Benchmarking
- Qualitative / Quantitative Inhaltsanalyse
- PESTEL
- ...
Einige Methoden (z. B. Interviews) eignen sich nicht als alleinige Methode, sondern müssen in einen fundierten Gesamtkontext eingebettet sein.
📚 Literatur & Recherche
Wissenschaftliche Aussagen müssen durch Literatur belegbar sein. Dabei zählt nicht Quantität, sondern Qualität: Es geht um fundierte, aktuelle und zum Thema passende Quellen.
- Primärquellen (z. B. Originaldaten, Gesetzestexte, Interviews)
- Sekundärquellen (z. B. Fachartikel, Studien, Analysen)
- Tertiärquellen (z. B. Lehrbücher)
💡 Hinweis: Internetquellen & "Graue Literatur"
Interne Dokumente, Wiki-Artikel oder Präsentationen gelten nur eingeschränkt als wissenschaftlich – und sollten klar von Primär-/Sekundärquellen getrennt werden. Wikipedia ist keine zitierfähige Quelle.
📋 Struktur und Aufbau der Arbeit
Regel: Ein Satz ist kein Absatz. Jeder Abschnitt sollte inhaltlich durchdacht, sprachlich vollständig und fachlich sauber sein.
- Titel der Arbeit (ggf. mit Untertitel)
- Art der Arbeit (PA I, II, oder BA)
- Name, Matrikelnummer, Studiengang, Partnerunternehmen
- Betreuer:in, Abgabedatum
💡 Titel-Tipp
Der Titel sollte nicht nur das Projekt benennen, sondern klar machen, was analysiert oder evaluiert wird – z. B. „Konzeption und Vergleich zweier Ansätze zur XY im Kontext von Z“ statt „Entwicklung einer Anwendung“.
„Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln erstellt habe. […]“
Plagiate (auch Teilplagiate!) führen zum Nichtbestehen. Auch Copy-Paste aus eigenen früheren Arbeiten ohne Kennzeichnung ist problematisch.
- Automatisch generieren
- Mit Seitenzahlen und vollständiger Struktur
- Abbildungs-, Abkürzungs- und Tabellenverzeichnis nur, wenn nötig
- ½ – 1 Seite: Ziel, Methode, Ergebnis
- Keine Einleitung, keine „Was ich gemacht habe“-Erzählung
- Problemstellung & Motivation
- Ziel der Arbeit & Forschungsfrage
- Aufbau der Arbeit
- Methodik & Abgrenzung
- Definitionen & Begriffe
- Modelle, Frameworks, Konzepte
- Literaturüberblick & kritische Reflexion
- Beschreibung des analysierten oder erstellten Objekts (Software, Prozess, Strategie …)
- Anwendung der Methode(n)
- Bewertung, Diskussion, Visualisierung
⚠️ Wichtig zur "Umsetzung"
Die Umsetzung ist nicht einfach das, was du gemacht hast.
Sie beschreibt die konkrete Anwendung der wissenschaftlichen Methode, z. B.:
- Durchführung eines Benchmarks,
- Auswertung eines Fragebogens,
- Architekturvergleich nach Literaturkriterien,
- Implementierung mit anschließender Evaluation.
- Rückbezug zur Forschungsfrage
- Erkenntnisse und Limitationen
- Ausblick & Empfehlungen
- Einheitlicher Zitierstil (APA, Harvard o. ä.)
- Alphabetisch, vollständig
💡 Zitat-Tipps
- Wähle 1 Zitationsstil – ziehe ihn konsequent durch
- Tools: Citavi, Zotero, Word-Zitationsfunktion
- Vermeide: Wikipedia, nicht nachvollziehbare Webseiten
- Screenshots, Interviewtranskripte, Code, …
- Kein Pflichtbestandteil
- Nummerierung z. B. Anhang A, Anhang B
🛠 Zitieren & Plagiat
- Direkte Zitate: in Anführungszeichen mit Quellenangabe
- Indirekte Zitate: paraphrasiert mit Quellenangabe
- Sekundärzitate vermeiden
- Literatur im Verzeichnis aufnehmen
- Bei Unsicherheiten: Nachfragen!
🤖 Einsatz von AI
KI-gestützte Tools wie ChatGPT, Gemini, Claude oder BARD können bei der Recherche, beim Strukturieren von Argumenten oder als Ideengeber sehr hilfreich sein. Sie arbeiten auf Basis maschinellen Lernens und reihen Worte mit der größten Passwahrscheinlichkeit aneinander. Dennoch gilt es einige Punkte zu beachten:
- Einsatzmöglichkeiten: Gliederungsvorschläge, Formulierungshilfen, Zusammenfassungen, Übersetzungen.
- Eingeschränkte Trainingsdaten: Aktuelle(!) und wissenschaftliche Quellen können fehlen, was zu Fehlschlüssen führen könnte.
- Keine Gewähr für Richtigkeit: Inhalte, Zitate oder Quellen können falsch sein.
- Halluzinationen: Vor allem beim Ausfüllen des Literaturverzeichnisses oder bei der Literaturrecherche werden viele Informationen generiert, die in Realität nicht existieren. Nicht existente Quellen im Literaturverzeichnis sind sehr unschön.
- Bei der Eingabe eigener Texte sind Sperrvermerke und Datenschutz des Ausbildungspartners zu beachten.
- KI-generierte Texte können Urheberrechte Dritter verletzen – eine blinde Übernahme ist zu vermeiden.
- Lizenz- oder Nutzungsbedingungen der Tools können einen Hinweis auf den KI-Einsatz verlangen.
- KI-Tools sind keine zitierfähigen Quellen.
- KI-generierte Inhalte müssen deutlich gekennzeichnet werden – etwa per Fußnote und in einem separaten Verzeichnis. Verwende dafür das Formular „Hilfsmittelangabe zum Einsatz von KI-basierten Werkzeugen“ nach der Selbstständigkeitserklärung.
- Die unmarkierte Übernahme von KI-Inhalten verstößt gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und gilt als Täuschung.
- Mögliche Sanktionen reichen von „nicht bestanden“ bis zur Exmatrikulation.
Beispiel für die erforderliche Erklärung:
In Kenntnis des Hinweisblatts „Hinweise zum Einsatz von IT-/KI-basierten Werkzeugen bei der Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten und die prüfungsrechtlichen Folgen ihres Einsatzes“ erkläre ich hiermit, bei der Erstellung dieser Prüfungsleistung eigenständig und beim Einsatz IT-/KI-gestützter Schreibwerkzeuge maßgeblich steuernd gearbeitet zu haben. Ich habe verwendete Werkzeuge mit Produktnamen, Bezugsquelle und Funktionsumfang aufgeführt und wortwörtliche Übernahmen im Quellenverzeichnis sowie als Fußnote angegeben.
📌 Präsentationen zu Praxisarbeiten
- PA I: unbenotet
- PA II: benotet mit Präsentation
- PA III (BA): benotet + Präsentation
Präsentation ist nur möglich, wenn die Arbeit bestanden ist.
🧭 Fazit: Dein Weg zur erfolgreichen Arbeit
- Thema mit Relevanz und Bezug zur Praxis wählen
- Konkrete Forschungsfrage formulieren
- Passende Methoden wählen
- Theorie und Praxis sinnvoll verknüpfen
- Formal sauber arbeiten und Deadlines einhalten
📚 Weiterführende Literatur
- Theisen, M. R. (2021): Wissenschaftliches Arbeiten
- Kornmeier, M. (2021): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht
- Kotzab, H. (2019): Methodenkatalog zur Verfassung von Abschlussarbeiten
- Dodig-Crnkovic, G.: Scientific Methods in Computer Science
- Kache, M. et al. (2015): Leitfaden Literaturrecherche (TU Dresden)
📨 Bei Unsicherheiten: dhbw@mathis-neunzig.de oder über vereinbarte Kanäle!